NW-News Löhne 15.09.2010 VON JÜRGEN NIERSTE

Im Gohfelder Lager | FOTO: JÜRGEN NIERSTE

Kemena setzt auf die Bahn

Löhner Spedition expandiert nach Gütersloh / Jording:

"Neue Kunden gewonnen"

 

Löhne. 12.500 Quadratmeter Lagerfläche am Gohfelder Bahnhof reichen nicht mehr. "Wir haben neue Kunden gewonnen und werden expandieren", sagt Klaus Jording. Der Geschäftsführer der Spedition Kemena kündigte gestern an, sein seit 1912 in Löhne ansässiges Unternehmen werde sich nach Gütersloh ausweiten und in direkter Nachbarschaft der Miele-Werke ein neues Logistikzentrum errichten.

 Doch die Spedition Kemena kehrt Löhne deswegen nicht den Rücken: "Die Arbeit am alten Standort bleibt unberührt. Unser Unternehmens-Stammsitz bleibt Löhne", so Jording.

 Die Spedition Kemena beschäftigt derzeit 160 Mitarbeiter. Diese brauchen laut Jording nicht um ihren Arbeitsplatz zu fürchten, denn für Gütersloh werden zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Das Unternehmen fährt mit 60 Lastkraftwagen und 115 Sattelaufliegern bzw. Anhängern unter anderem für die Küchenbranche und für die Papier- und Forstindustrie.

 Auch mit dem neuen Logistikzentrum, das bereits im März nächsten Jahres in Betrieb gehen soll, setzt Jording verstärkt auf kombinierten Bahn- und Lkw-Transport. "Gerade die tonnenschweren Papierrollen eignen sich hervorragend für den Transport mit der Bahn." Die Rollen werden von Papierfabriken aus Schweden die gesamte Strecke per Zug bis Gohfeld bzw. demnächst bis Gütersloh geliefert. Nur die Weiterverteilung über die letzten Kilometer bis zum Kunden erfolgt per Lkw.

 Klaus Jording nennt eine Vergleichszahl: "Mehrere unserer Kunden haben ihren Sitz im Großraum Gütersloh - Hamm - Münster. Durch unser Logistikzentrum in Gütersloh rechnen wir allein durch die größere Nähe zu unseren Kunden gegenüber Gohfeld mit einer jährlichen Einsparung von 400.000 Lastwagen-Kilometern."

Für Jording ist die Entscheidung für die neue Investition, die nach seinen Angaben im siebenstelligen Bereich liegt, gleichzeitig eine in die Zukunft weisende Strategie: "Der Straßenverkehr stößt an seine Grenzen und er wird durch steigende Diesel- und Mautpreise in Zukunft auch stetig teurer werden." Güter wie Holz, Papier, Stahl oder Chemieprodukte seien prädestiniert, auf weiten Strecken per Bahn transportiert zu werden.

Die Entscheidung für die Investition gerade zu diesem Zeitpunkt traf Jording, weil es ihm gelang, zusätzliche Aufträge über 80.000 Tonnen Güter pro Jahr zu aquirieren. "Das wären 3.500 Lkw-Ladungen. Wenn wir sie alle aus Lübeck abholen müssten, wären das fast 1,2 Millionen Kilometer und ein Kraftstoffverbrauch von 420.000 Litern." Jording zückt seinen Taschenrechner: "Das ergibt eine Lkw-Schlange von 63 Kilometern, Stoßstange an Stoßstange."

Natürlich benötigen auch Güterzüge Diesel bzw. elektrische Energie - aber für die gleiche Tonnage deutlich weniger als Lastkraftwagen. Jording: "Wenn man an den CO2-Ausstoß denkt und den Klimaschutz ernst nimmt, dann ist es mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung, für solche Güter auf die Bahn zu setzen." 

Dennoch hatte Klaus Jording erhebliche Probleme, ein geeignetes Gelände mit Gleisanschluss für das neue Logistikzentrum zu finden: "Die Bahn wird in den Städten und Gemeinden als Güterverkehrsträger einfach nicht mehr wahr genommen. Wir mussten seit Februar nach einem Standort suchen, denn Industriegebiete mit Gleisanschluss sind selten geworden."

Aus Kapazitätsgründen, aber auch wegen Auflagen durch das Löhner Bauordnungsamt kam für Jording eine Erweiterung in Löhne nicht mehr in Frage. "Deshalb haben wir uns zwar überhaupt erst anderswo umgeschaut, aber die Lösung in Gütersloh hat sich letztlich als wesentlich besser für uns heraus gestellt als alles, was wir in Löhne hätten haben können."

Tonnenschwere Last | FOTO: JÜRGEN NIERSTE

NW-News Gütersloh 15.09.2010 VON HOLGER KOSBAB UND JÜRGEN NIERSTE

Kemena setzt auf die Bahn Die bessere Lösung

 Spedition aus Löhne investiert in Gütersloh, um näher am Kunden zu sein

Gütersloh/Löhne. Noch steht auf dem Grundstück am Sandbrink Gras im sattesten Grün. Schon in einem halben Jahr soll hier ein Logistik-Terminal der Spedition Kemena aus Löhne stehen. Neben Miele und Pfleiderer investiert das expandierende Unternehmen einen siebenstelligen Betrag und hat dafür einen notwendigen Bahnanschluss. Mit dieser Erweiterung möchte Inhaber und Geschäftsführer Klaus Jording "nah ran an die Kunden".

Rund 9.000 Quadratmeter wird der Neubau in dem Industriegebiet groß sein, insgesamt 110.000 Kubikmeter werden umbaut. Der Platz soll vor allem dem Umschlag und der Lagerung von Papier dienen. Läuft es gut, dann kann Jording nochmal expandieren. Hierfür ist in einem Plan bereits eine zweite angrenzende Fläche mit weiteren 5.500 Quadratmetern vorgesehen.

Bisher werden die vorwiegend im Raum Gütersloh, Hamm und Münster ansässigen Kunden vom Bahnhof am Kemena-Stammsitz in Löhne-Gohfeld (Kreis Herford) bedient. Die riesigen Papierrollen werden mit Güterzügen aus Skandinavien angeliefert. Auf die Straße müssen sie nur für das Stück vom Bahnhof zum Kunden. 50 Prozent der in Gütersloh umgeschlagenen Güter verbleiben im Kreisgebiet.

 Einerseits reichten die Kapazitäten in Gohfeld durch neue Kunden nicht mehr, andererseits setzt Firmenchef Jording auf Nachhaltigkeit - und stark auf die Schiene. "Denke ich von heute auf morgen, ist der Lkw am günstigsten. Langfristig ist er das nicht." Bei der Belieferung der westfälischen Großkunden von Gütersloh aus spart er rund 400.000 Lastwagenkilometer ein. Im Industriegebiet Sandbrink hat Kemena einen direkten Anschluss an den Güterbahnhof der Teutoburger Wald-Eisenbahn und an die Bahnstrecke Hannover-Dortmund.

Würde Jording zudem an Neuaufträgen hinzu gewonnene 80.000 Tonnen auf der Straße transportieren, ergäben die umgerechnet 3.500 Lkw-Ladungen eine Länge von 63 Kilometern. "Stoßstange an Stoßstange", so Jording. 1,2 Millionen gefahrene Kilometer fielen bei dem Transport vom Lübeck an, 420.000 Liter Kraftstoff würden verbraucht. Hinzu kämen höhere Kosten durch langfristig steigende Dieselpreise und Maut-Gebühren. Dabei seien Güter wie Holz, Papier, Stahl oder Chemieprodukte dazu prädestiniert, auf weiten Strecken per Bahn transportiert zu werden, so Jording.

Die Spedition Kemena beschäftigt derzeit 160 Mitarbeiter. Diese brauchen laut Jording nicht um ihren Arbeitsplatz zu fürchten: Für Gütersloh werden sechs bis acht zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Das Unternehmen hat 60 Lastkraftwagen und 115 Sattelauflieger.

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